igs_13Schülerinnen und Schüler haben es nicht leicht in einer Gesellschaft, die immer mehr Leistung bei gleichzeitiger Verknappung aller relevanten Ressourcen fordert: Das Abitur soll in zwölf Jahren geschafft werden, Lehrerstellen fehlen gerade in Zeiten der Inklusion, die Bildungs-Infrastruktur verfällt ebenso wie in anderen Bereichen. Berichte von Kindern, Lehrer und Eltern über Mobbing, Schulwechsel bis hin zu stressbedingten Krankheiten häufen sich – wen wundert das?

Um dem zu begegnen, sind moderne pädagogische Wege nötig, die wir gern mit dem Konzept „Förderung und Forderung“ umschreiben, so wie es in den Integrierten Gesamtschulen (IGS) angewandt wird. Osterode ist einer von zwei niedersächsischen Landkreisen, in denen es noch keine IGS gibt – für mich und den Unterbezirk der SPD Osterode eine Lücke, die endlich gefüllt werden muss. Als die Osteroder Genossen ihre Bildungskonferenz einberiefen, wurde ich als ehemaliger IGS-Direktor und – gründer eingeladen, meine Erfahrungen darzustellen. Dem bin ich sehr gern gefolgt, schließlich verstehe ich mich als Vertreter aller Niedersachsen.

Das viel strapazierte Wort „Integriert“ wird in einer IGS mit kraftvollem und buntem Leben erfüllt. Die Kinder arbeiten meist in heterogenen Tischgruppen und entwickeln dabei eine ausgeprägte Teamfähigkeit, ein hohes Maß an Sozialkompetenz und große Selbständigkeit.

Da das Erreichen des Abiturs auf 13 Jahre ausgelegt ist, haben die Schüler mehr Zeit für eine individuelle Lernentwicklung. Die in der Pubertät völlig normalen Durchhänger können so aufgefangen werden; statt belastender Schulwechsel gibt es Förderunterricht und Kursumstufungen.

Hier werden bis zur achten Klasse keine Zensuren erteilt, sondern Lernentwicklungsberichte erstellt; Zielvereinbarungen werden von Schülern und Lehrern einvernehmlich verhandelt. Der Übergang in die gymnasiale Oberstufe bereitet so vorbereitet keine Probleme.

Bildungspotentiale ausschöpfen, das ist das Ziel. Wir erreichen dies durch Rahmenbedingungen, die sich an den Bedürfnissen der Kinder orientieren: gute Betreuung bei individueller Förderung. Bis zu 60 Prozent der Schüler jedes Jahrgangs erreichen einen Abschluss, der oberhalb der Laufbahnempfehlung in der Grundschule liegt. Hier zeigt sich überdeutlich, wie wertvoll das Konzept IGS ist – auch wenn die Einrichtung einer solchen nicht einfach ist.

Wie auch seinerzeit in meinem Heimatkreis Helmstedt ergab eine Elternbefragung in Osterode eine klare Mehrheit für eine IGS. Befürchtungen, dass deren Schaffung die bestehende Schullandschaft beeinträchtigen könnte, kennen wir aus der Vergangenheit. Bisher haben sie sich nirgendwo bewahrheitet.

Eine IGS ist nicht nur ein Lern-, sondern zuerst ein Lebensort. Ich arbeite und kämpfe dafür seit vielen Jahren, weil ich der Überzeugung bin, dass unsere Kinder das beste Konzept verdienen – in unser aller Interesse.

Bildungskonferenz des SPD-Unterbezirks Osterode

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